Ethik und die globale Krise
von Ralf Manthey
 

Pagode  300 x 400

Die Ursachen für die derzeitige anhaltende tiefe Krise des Planeten und der Menschheit – die sich auf alle Bereiche des menschlichen Lebens auswirkt, sei es ökologisch, wirtschaftlich, politisch, sozial - werden in den Medien und von den entsprechenden Fachleuten auf vielfältige und unterschiedliche Art analysiert und diskutiert und entsprechende unterschiedliche Ursachen und Lösungsvorschläge unterbreitet. Dabei wird mir allerdings der ethische Gesichtspunkt zu selten berücksichtigt. Meiner Meinung nach liegt die Hauptursache in der weltweiten Krise in dem destruktiven Verhalten vieler Menschen, wie z.B.:

Selbstsucht, Machtgier und Rücksichtslosigkeit

• Habsucht, Gier und extremer Materialismus

• Lieblosigkeit, Arroganz und Gleichgültigkeit

Daher können die aktuellen globalen Probleme – meiner Meinung nach - nur nachhaltig gelöst werden, wenn sich die Menschen entschiedener (wieder) auf ethische Werte besinnen und sie auch konkret zum Ausdruck bringen. In allen etablierten Weltreligionen, aber auch in vielen seriösen spirituellen Lehren, in der Philosophie und im modernen Humanismus kann man ähnliche ethische Grundsätze und Richtlinien finden. Die für mich wesentlichen ethischen Grundsätze möchte ich hier kurz skizzieren:

Selbstlosigkeit. Die Bereitschaft, sein Denken, Sprechen und Handeln auf das Wohl seiner Mitmenschen und seiner Mitwelt (Tiere, Natur) auszurichten

Selbstliebe und Nächstenliebe, die sich durch Toleranz, Respekt, Hilfsbereitschaft, Anteilnahme, Freundlichkeit, Fürsorge, Barnherzigkeit und Mitgefühl gegenüber seinen Mitmenschen zeigt. Hierzu gehört auch, dass man sich und seinen Mitmenschen Fehler verzeihen kann.

Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit, sich selbst und seinen Mitmenschen gegenüber.

• Friedfertigkeit, Achtsamkeit und Gewaltlosigkeit. Z.B. ist eine zentrale ethische Richtlinie im Buddhismus „Niemanden (absichtlich) zu schaden!“ – weder im Denken, Reden oder durch Taten.

• Verbundenheit. Trotz aller äußerer Unterschiede der Menschen (Mann-Frau, Kind-Erwachsener, Opfer-Täter, Arm-Reich etc.) entstammen wir aber alle der gleichen Quelle und sind daher im Wesenskern gleich (ob man diese Quelle nun Gott oder Universum oder ähnlich nennt, spielt für mich dabei keine Rolle). Dieses Wissen sollte jeden dazu veranlassen, dass man seinen Mitmenschen mit Respekt und Achtung gegenüber tritt

Mäßigkeit und Ausgewogenheit. D.h. mit den Ressourcen der Erde, aber auch den eigenen Lebenskräften sparsam und achtsam umzugehen. Dankbar für das zu sein, was man hat, anstatt maßlos nach immer noch mehr materiellen Gütern und ehrgeizigen Zielen zu streben. Ideal wäre, dass Geben und Nehmen in Balance ist

Gerechtigkeit, Fairness, Solidarität und Kooperation. Alles, was sich auf und in der Erde befindet, gehört der gesamten Menschheit und nicht wenigen reichen, einflussreichen und mächtigen Menschen. Daher ist die Menschheit angehalten, diese Ressourcen gerechter zu verteilen; dies erfordert Zusammenarbeit und die Bereitschaft zu teilen.

Verantwortungsbewusstsein, Gewissenhaftigkeit, Zuverlässigkeit und Unbestechlichkeit - gilt besonders für die Arbeitswelt

Disziplin, Ausdauer, Geduld, Mut, Selbstbeherrschung, Genügsamkeit, Einfachheit, Bescheidenheit und Demut

Wenn Menschen sich konsequent und dauerhaft auf ethische Werte ausrichten und dies auch praktisch durch ihr Handeln zum Ausdruck bringen, verändert sich erfahrungsgemäß früher oder später ihr Leben
auf positive Weise und der Umgang mit den Mitmenschen verläuft zunehmend friedlicher und harmonischer.
Aber mir ist bewusst, dass das Thema Ethik zu Recht auch sehr zwiespältige Gefühle bei vielen Menschen auslöst. Denn es gibt zahlreiche Beispiele in der Menschheitsgeschichte, wo im Namen der Religion und hoher Ideale und Ideologien durch extremes Verhalten viel Leid und Unterdrückung verursacht worden ist, und dies auch heute noch. Andere Skeptiker verbinden mit dem Begriff Ethik eher eine lebensfeindliche Moral und starre kirchliche Dogmen. Hinzu kommt noch, dass der vorherrschende Zeitgeist einem vermittelt, dass ethische Werte wie z.B. Ehrlichkeit, Fairness und Kooperation altmodisch und überholt sind und sich im täglichen Leben und besonders in beruflicher und wirtschaftlicher Hinsicht nicht mehr lohnen, sondern eher Nachteile hat. Oberflächlich betrachtet scheint dies auch zu stimmen. Wer kennt nicht Menschen, die zwar aufrichtig und liebevoll sind, aber von ihren rücksichtslosen Mitmenschen übervorteilt werden. Aber langfristig kann man beobachten, dass sich ethisches und faires Verhalten doch lohnt, denn früher oder später „erntet man das, was man gesät hat!“.
Ethische Werte sind aber kein Eigentum irgendeiner Religion oder einer bestimmten ideologischen, philosophischen oder spirituellen Lehre, sondern sie gehören der gesamten Menschheit.
Ethische Werte bzw. ethisches Empfinden sind tief in jeden Menschen angelegt und gehören sozusagen zur menschlichen Grundausrüstung und spiegeln seinen spirituellen Kern wieder. Dieses ethische Grundempfinden wird i.d.R. durch das Gewissen symbolisiert; die meisten Menschen wissen in ihrem tiefsten Inneren, ob sie sich unethisch bzw. schädlich verhalten. Leider haben viele Menschen irgendwann aufgehört, auf ihr Gewissen und die leisen inneren Impulse zu hören. Ethisches Verhalten entfaltet sich auf ganz natürliche Weise – ohne aber dabei den Blick für seine eigenen Schwächen und Schattenanteile zu verlieren, wenn man sich wieder auf einer tieferen Ebene mit seinem eigenen Wesenskern verbindet. In dieser Verbundenheit spürt man dann intensiver das Leid und die Not seiner Mitmenschen, und möchte dann ganz von selbst auf natürliche Weise - ohne Zwang oder moralischen Druck - seine Mitmenschen nicht schädigen und ihnen Gutes tun. Es geht ja nicht darum, zu einem realitätsfernen und naiven Idealisten zu werden, sondern, dass man im Rahmen seiner Möglichkeiten sein Denken und Verhalten zum Wohl seiner Mitmenschen und der Umwelt ausrichtet.

Jeder Mensch kann – auch wenn der Beitrag noch so klein ist – durch sein tägliches nachhaltiges und ethisches Verhalten etwas Positives zur Gesamtsituation des Planeten beitragen. Man braucht dazu allerdings auch eine gewisse Entschiedenheit und Durchhaltevermögen.


„Ich möchte sagen, dass die Essenz der Lehre Buddhas
in zwei Sätzen zu finden ist: Hilf anderen, falls möglich!
Falls das nicht möglich ist, füge zumindest
niemanden Schaden zu!“
(Dalai Lama; Zitat aus dem Buch „Dalai Lama,
Tag für Tag zur Mitte finden“, Seite 132,
Verlag Herder Spektrum)

 

 

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